Will der deutsche Chemiekonzern Bayer trotz allen gesellschaftlichen Wiederstandes verstärkt auf Gentechnik setzen? Dass Bayer den US-Saatgutkonzern Monsanto aufkaufen will, scheint ein Zeichen dafür zu sein. Da Bayer‘s Lobbydruck auf die Politik enorm ist, ist zu befürchten, dass nach einer Monsanto-Übernahme die Interessen der Gentechnik-Industrie in Deutschland und auf EU-Ebene noch aggressiver vertreten werden als bisher.
Monsanto hat seine besten Zeiten hinter sich. Die geplante Übernahme ist ein Fall von vorausschauender Leichenfledderei. Bricht jetzt auch noch sein Glyphosat-Geschäft ein, wird Bayer vor allem eines übernehmen: Das schlechte Image des US-Gentechnikkonzerns.
Monsanto hat in der Agro-Gentechnik sein Alleinstellungsmerkmal verloren. Inzwischen beliefern auch andere große Chemiekonzerne den Weltmarkt mit Gentech-Pflanzen und damit kombinierten Pestiziden. Monsanto, das Gentech-Pflanzen im Doppelpack mit Glyphosat anbietet, hat vor allem in Nord- und Südamerika mit zunehmenden Resistenzen bei Unkräutern gegenüber seinem einzigen Pestizid zu kämpfen. Bayer will offensichtlich ein Unternehmen schlucken, dessen Verkaufsschlager Glyphosat ein Ladenhüter zu werden droht.
Die aktuelle Auseinandersetzung um das Herbizid Glyphosat in der EU zeigt, dass es inzwischen zunehmend um die Akzeptanz von Produkten und die Form von Landwirtschaft gehe, die deren Hersteller beförderten. Monsanto ist so verletzlich wie nie und deshalb ein idealer Übernahmekandidat. Der breite Protest in der EU gegen die Glyphosat-Zulassung sollte Bayer davon abhalten, sich ein “vergiftetes“ Unternehmen wie Monsanto einverleiben zu wollen.
